24. Mai 2011
Stellungnahme DIE LINKE. Ratsfraktion zu Uranhexafluorid-Transporten durch Münster

Zur Diskussion über den Ratsantrag „Keine Urantransporte durch Münster“ (A-R/0038/2011) hat sich die linke Ratsfraktion mit einer Stellungnahme an die anderen Fraktionen gewandt. Mit Bezug auf die Stellungnahme der Feuerwehr vom 18. Mai 2010 erklärt Fraktionssprecherin Iris Toulas: „Da ich der Meinung bin, dass die Problematik, im hoffentlich nie eintretenden Unglücksfall, von der Feuerwehr unterschätzt wird, sende ich ihnen einige Informationen zu. Denn eine Evakuierung des bereits kontaminierten Umfeldes des Bahnhofs im Umkreis von 2 km würde bedeuten, tausende von Verletzten und Toten bergen zu müssen. Ob die Krankenhäuser auf einen solchen Fall vorbereitet sind, wage ich zudem zu bezweifeln.“


Der Leiter der Feuerwehr hatte erklärt: „Die Feuerwehr wäre hier in der Lage, die Intensität der Strahlung zu messen, den Gefahrenbereich abzusperren, verletzte Personen unter Schutzkleidung und Strahlenschutzüberwachung zu retten sowie gefährdete Personen zu warnen und zum Verlassen des Gefahrenbereiches aufzufordern. Ferner wäre die Feuerwehr in der Lage, Strahlenquellen zu orten und ggf. zu sichern.“
Die Katastrophe in Fukushima dürfte die Ohnmacht der Einsatzkräfte bei atomaren Unfällen verdeutlicht haben. Mit Maßnahmen wie „Strahlung messen“ und „den Gefahrenbereich absperren“ reduzieren sich die Handlungsmöglichkeiten auf reine Schadensbegrenzung. „Das wäre so, als würde die Feuerwehr bei einem Brand das Umfeld räumen und darauf warten, dass ein Regen das Feuer löscht“, kommentiert der Fraktionssprecher Raimund Köhn.

----

Bürgeranregung "Keine Urantransporte durch Münster"

 


Mit einer gemeinsamen Anregung (Nr. 37/2010) gem. § 24 GO NRW regen
-        das Anti-Atom-Bündnis Münster,
-        die Initiative SOFA/Sofortiger Atomausstieg Münster und
-        das Umweltforum Münster
mit Datum vom 18.03.2010 mehrere Beschlüsse des Rates der Stadt Münster an. Die Beschluss-vorschläge sind nachfolgend (kursiv) zitiert und werden anschließend unter dem Aspekt der Ge-fahrenabwehr der Stadt Münster kommentiert.


1. In der Fortschreibung zweier Resolutionen von 1995 und 1998 lehnt der Rat der Stadt Münster Transporte von Uranhexafluorid über das Stadtgebiet von Münster ab. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, diese ablehnende Haltung bei der verantwortlichen Urananreicherungsfirma Urenco Deutschland GmbH in Gronau sowie bei der Landes- und Bundesregierung, dem Bundesamt für Strahlenschutz und der Bezirksregierung Münster vorzutragen.

zu 1: Der Rat der Stadt Münster hatte sich bereits im November 1995 für die Einstellung aller Transporte von Kernbrennstoffen durch das Stadtgebiet Münster ausgesprochen. Die Verwaltung hat die Position des Rates der Stadt Münster seinerzeit allen am Transport von Kernbrennstoffen beteiligten Behörden und Institutionen übermittelt. Dennoch können weiterhin entsprechende Transporte auf allen Verkehrswegen auch durch das Stadtgebiet Münster führen, da die Stadt keine rechtlichen Möglichkeiten einer Einflussnahme auf die Wegstrecken dieser Transporte hat (Verbandskompetenz).
Seit den damaligen Erörterungen haben sich keine neuen rechtlichen Grundlagen ergeben, aus denen neue Zuständigkeiten der Stadt Münster erwachsen wären.

In diesem Zusammenhang sollte auch bedacht werden, dass es nach 1995 politische Konstellati-onen im Land NRW und auf Bundesebene gab, die eine Änderung der Rechtslage im Sinne der Bürgeranregung hätten herbeiführen können. Da dies nicht erfolgte, ist nicht zu erwarten, dass ein erneuter Beschluss des Rates der Stadt Münster eine Änderung der Rechtslage bewirkt.


2. In Anbetracht der wachsenden Anzahl von Uranhexafluorid-Transporten durch Münster sowie des Störfalls in der Urananreicherungsanlage Gronau vom 21. Januar 2010, bei der ein Arbeiter verstrahlt und mehrere Tage im Uniklinikum Münster behandelt werden musste, wird die Stadt-verwaltung beauftragt, u.a. in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und dem Uniklinikum die Ka-tastrophenschutzpläne für mögliche Unfälle  mit Uranhexafluorid in Münster zeitnah zu überprü-fen, ggf. zu überarbeiten, mögliche Unfallszenarien zu entwickeln und durch Übung zu erproben. das Ergebnis ist dem Rat der Stadt Münster in einer ausführlichen Stellungnahme vorzulegen.

zu 2: Zu den möglichen Unfallfolgen beim Transport radioaktiver Stoffe wurden, wie auch aus der Beschlussvorlage zu den Bürgeranträgen im Jahre 1995 hervorgeht, verschiedenste Gutachten und Stellungnahmen ausgewertet. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Sicherheit dieser Transport sehr hoch ist und es bis heute keinen Transportunfall gab, bei dem es zu einer nen-nenswerten Freisetzung von radioaktiven Stoffen mit einer Gefährdung der Allgemeinheit ge-kommen ist.  Daher wird davon ausgegangen, dass eine Freisetzung - wenn sie eintritt - lokal begrenzt sein wird  mit einem maximalen Gefährdungsradius von ca. 500 Metern. Die Feuerwehr wäre hier in der Lage, die Intensität der Strahlung zu messen, den Gefahrenbereich abzusperren, verletzte Personen unter Schutzkleidung und Strahlenschutzüberwachung zu retten sowie ge-fährdete Personen zu warnen und zum Verlassen des Gefahrenbereiches aufzufordern. Ferner wäre die Feuerwehr in der Lage, Strahlenquellen zu orten und ggf. zu sichern.

Der Feuerwehr Münster stehen für die Gefahrenabwehr bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen und Gütern zahlreiche Spezialgerätschaften zur Verfügung. Dazu zählen Messgeräte zur Erfassung der Gefahr, einschließlich radioaktiver Strahlung, Schutzkleidung gegen Kontamination mit radio-aktiven, ätzenden und giftigen Stoffen sowie Materialien zum Auffangen oder Eindämmen von Gefahrgut.
Speziell zur Versorgung von kontaminierten Verletzten nimmt die Feuerwehr Münster derzeit ein System zur Dekontamination Verletzter in Betrieb, welches im Rahmen einer landesweiten Be-schaffung durch das Innenministerium NRW zur Verfügung gestellt wurde.
Zur klinischen Versorgung von radioaktiv kontaminierten Verletzten sind in Münster das Universi-tätsklinikum sowie das Clemenshospital vorgesehen. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus dem Unfall in der Urananreicherungsanlage in Gronau am 21.01.2010 hat die Feuerwehr Münster nochmals Kontakt mit den beiden Krankenhäusern aufgenommen und die Versorgung von kon-taminierten Verletzten abgestimmt.
Der Krisenstab der Stadt Münster sowie die Einsatzleitung der Feuerwehr Münster haben zuletzt am 01.10.2009 die Zusammenarbeit und Kommunikationsabläufe bei der Freisetzung gefährli-cher Stoffe geübt. Am 26.09.2009 fand unter Beteiligung aller in der Gefahrenabwehr der Stadt Münster mitarbeitenden Organisationen eine Übung von mehr als 500 Einsatzkräften aus Müns-ter statt, bei der die Maßnahmen bei einem Massenanfall von Verletzten erprobt wurde. Die Er-fahrungen aus diesen Übungen fließen auch in die Vorplanung von Unfällen mit gefährlichen Stoffen und Gütern ein.
Alle Einheiten der Feuerwehr Münster üben regelmäßig die Gefahrenabwehr bei einem ungewoll-ten Freiwerden gefährlicher Stoffe und Güter. Wegen der Vielzahl gefährlicher Stoffe und Güter orientieren sich die Übungen dabei nicht an einzelnen Stoffen, sondern an den Gefährdungen der verschiedenen Stoffgruppen.


3. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, bei den zuständigen Genehmigungs- und Aufsichtsbehör-den eine Aufstellung der Uranhexaflourid-Transporte durch Münster in den letzten Jahren anzu-fordern. Auf der Aufstellung sollten Datum, Abfahrtsort, transportierte Menge, Transportmittel so-wie Transportziel hervorgehen.

zu 3: Die Stadt Münster wird nicht über Transporte von radioaktiven Stoffen, die durch das Stadt-gebiet führen, informiert. Nach den Bürgeranträgen im Jahre 1995 hat sich die Stadt Münster um eine solche Information bemüht. Dies wurde von den zuständigen Behörden mit Verweis auf die Rechtslage abgelehnt. Die rechtliche Situation hat sich bis heute nicht geändert.


4. In Anlehnung an die 1998 von der Stadt Münster erstellte Informationsbroschüre "Atomtrans-porte durch Münster" wird die Stadtverwaltung beauftragt, eine Informationsbroschüre zu erstel-len, welche die Hintergründe der Uranhexafluorid-Transporte durch Münster sowie  deren Gefah-ren und Risiken erläutert. Die Broschüre ist kostenfrei u.a. in den städtischen Ämtern und der Stadtbibliothek auszulegen.

zu 4: Im Jahre 1998 wurde eine Informationsbroschüre zum Thema "Atomtransporte durch Müns-ter" herausgegeben. Die Intention dieser Broschüre bezog sich weniger auf die Darstellung der Risiken im Zusammenhang mit dem Transport von Kernbrennstoffen, als vielmehr auf die Kom-munikation der politischen Position und Beschlüsse des Rates der Stadt Münster.
Der Transport von radioaktiven Stoffen unterliegt hinsichtlich der Transportbehälter besonderen Auflagen. Unter Berücksichtigung dieser besonderen Vorkehrungen unterscheidet sich der Transport radioaktiver Stoffe im Allgemeinen nicht wesentlich vom Transport von Uranhexafluorid im Speziellen. Eine Informationsbroschüre speziell zum Transport von Uranhexafluorid wird daher nicht für erforderlich gehalten. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die damalige Broschüre in der Bevölkerung keine besondere Beachtung und Nachfrage erfahren hat.


gez. Fritzen
Leiter der Feuerwehr



----

 

Nachfolgend finden Sie einen Beitrag von Gerhard Piper
Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (Telepolis, 30. Juni 2007):

Gefahren im Unglücksfall
Seit Beginn der Transporte ist es in Deutschland zu keinem größeren Unfall gekommen, über die Zahl kleinerer Zwischenfälle ist kaum etwas bekannt. Laut Eisenbahn-Bundesamt treten bei weniger als 1 Prozent aller Fahrten Mängel auf. Als ein Atomzug am 28. Juni 2006 auf dem
Güterbahnhof in Trier hielt, schlug auf einem benachbarten Schrottplatz ein dort installiertes Strahlenmessgerät an. In den USA ist schon einmal ein Atomzug verunglückt: Am 2. Juni 1999 entgleisten zwei Waggons eines Uranhexafluorid-Zuges in der Nähe der Anreicherungsanlage Portsmouth Gaseous Diffusion Plant im US-Bundesstaat Ohio; die Behälter blieben unbeschädigt. Allerdings hat es in Nuklearlaboren wiederholt Unfälle mit Uranhexafluorid gegeben, dabei waren auch Todesopfer zu beklagen.
weiter zu Telepolis

Weitersagen

redtube deutsche porno Düğün fotoğrafçısı seo backlink